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Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

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Die Frage impliziert das Ansinnen der EBA sowie der KOM, dass durch den KMU-Korrekturfaktor frei werdende Eigenkapitalspiel-räume für weitere Darlehen an KMU genutzt werden sollten. Diese Haltung unterstützen wir grundsätzlich. Allerdings halten wir es für fraglich, ob auf Grundlage der vorhandenen Datenbasis eine statistisch belegbare Aussage möglich ist.
Fraglich ist auch, ob diese Frage notwendig ist, oder ob sie nicht vielmehr lauten müsste, ob die Bereitschaft der Kreditinstitute, Darlehen an KMU zu vergeben, durch den Korrekturfaktor grundsätzlich verbessert werden kann. Denn nicht zuletzt auf Grundlage unserer Umfragen stellen wir fest, dass Finanzierungssituation und Betriebsgröße in einem engen Zusammenhang stehen. So haben kleine Handwerksunternehmen mit einem Jahresumsatz bis 1 Million Euro auf Grund der Betriebsgröße mehr Probleme beim Kreditzugang als größere Unternehmen, und auch bei den Kreditkonditionen sind sie tendenziell schlechter gestellt.
Wir gehen davon aus, dass sich die eigenkapitalentlastende Wirkung des KMU-Korrekturfaktors positiv auf die Motivation der Kreditinstitute auswirkt, Darlehen an KMU zu vergeben. Wenngleich wir uns wünschen würden, dass die Entlastung bei den Eigenkapital-kosten auch im Endkreditnehmerzins spürbar ist, geht es insbesondere für kleine und mittlere Betriebe darum, überhaupt einen Zugang zu Krediten zu erhalten.
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In ihrem Diskussionspapier vergleicht die EBA den Risikogehalt von KMU-Profilen mit denen von Großunternehmen. Wohl auch mangels anderer Daten schlägt die EBA vor, hierfür die Höhe notleidender Kredite heranzuziehen. Als weitere Vergleichsmöglichkeit ist die Auswertung bestimmter Finanzkennzahlen (Profitabilität, Verschuldung, Liquidität, Sicherheiten, Umsatz) vorgesehen.
Wir haben große Bedenken bezüglich der von der EBA ausgewählten Faktoren zur Bestimmung des Risikogehaltes sowie der daraus hergeleiteten Schlussfolgerungen.
Allein auf Grundlage des Anteils notleidender Kredite kann keine klare Abgrenzung zwischen den erwarteten und unerwarteten Verlusten getroffen werden. Dies wäre aber notwendig, da die vorhersehbaren Verluste bei der Kalkulation der Standard-Risikokosten in den Kreditzins eingepreist werden. Auf diese Weise werden die erwarteten Verluste ausgeglichen und stellen für den Kreditgeber kein eigentliches Kreditrisiko mehr dar. Deshalb werden bei der aufsichtlich vorgegebenen regulatorischen Eigenkapitalunterlegung auch lediglich die unerwarteten Verluste berücksichtigt. Sofern also der Risikogehalt von KMU-Profilen ermittelt werden soll, wären diesbezüglich einzig die unerwarteten Verluste zu berücksichtigen.
Berücksichtigt man ferner, dass notleidende Kredite eher einen Indikator für die Höhe erwarteter Verluste darstellen und dass KMU ein im Vergleich zu Großunternehmen günstigeres Verhältnis von unerwarteten zu erwarteten Verlusten aufweisen, ist der Anteil notleidender Kredite als Messgröße für den KMU-Risikogehalt ungeeignet.
Ähnliches gilt für die seitens der EBA aufgeführten Finanzkennzahlen. Diese werden von den Kreditinstituten in der Regel herangezogen, um die Bonität und damit die Ausfallwahrscheinlichkeit der potentiellen Kreditnehmer zu ermittelt. Auch damit werden die erwarteten Verluste abgebildet, die aber – wie oben bereits ausgeführt – kein Gradmesser für die notwendige bzw. angemessene Eigenkapitalunterlegung darstellen.
Zudem sei noch angefügt, dass insbesondere KMU-Portfolien gegenüber Portfolien von Großunternehmen einen entscheidenden Vorteil aufweisen: Durch ihre hohe Granularität ist ihr Risikogehalt eindeutig geringer.
Ausgehend von unserer Antwort zur Frage 6 und der Darlegung, dass der Risikogehalt (riskiness) ausschließlich auf die unerwarteten Verluste abstellen sollte, verweisen wir auf die Analyse der Deutschen Kreditwirtschaft , die die unerwarteten Verluste für das Privat- und Geschäftskundengeschäft der Sparkassen Finanzgruppe auf Grundlage einer Datenhistorie für die Jahre 2005 bis 2010 ausgewertet hat.
Hierbei wurden die unerwarteten Verluste in Relation zum Forderungsvolumen gesetzt, um eine unerwartete Verlustquote zu bestimmen. Dieser Ansatz ist nachvollziehbar und könnte auch von der EBA genutzt werden. In der Analyse konnte dargelegt werden, dass im Mittel die unerwarteten Verluste für 99 % der Institute nicht mehr als 1,13 % des Forderungsvolumens ausmachen. In der Spitze, im Jahr 2009, betrug dieser Wert 1,54 % und lag damit immer noch sehr deutlich unter der Eigenkapitalanforderung für Retail-Kredite im KSA von 6% (75 % bei 8 % Eigenkapitalanforderung).""
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Grundsätzlich stimmen wir der Interpretation der statistischen Daten zu. Allerdings sind die wirtschaftlichen Bedingungen in Europa vor und nach der Krise sehr unterschiedlich. Ein Vergleich der entsprechenden Daten vor der Krise mit denen nach der Krise erscheint uns wenig hilfreich.
Denn es gibt weitere Faktoren, die die Kreditvergabe an KMU bzw. deren Kreditnachfrage beeinflussen. Die Kreditvergabetrends für KMU sind stark abhängig von den spezifischen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes, in dem sie tätig sind. Einige EU-Länder haben sich schneller erholt, während sich andere noch in einer Anpassungsrezession befinden. Für die Länder in der Rezession ist die Kreditnachfrage nach wie vor niedrig und liegt auf einem Niveau unterhalb der Vor-Krisenzeit. Dieses niedrige Niveau kann nicht in den Zusammenhang mit KMU-Korrekturfaktor bzw. dessen mangelnder Wirkung gestellt werden.
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Der KMU-Korrekturfaktor wurde bekanntlich erst zum 01.01.2014 eingeführt. Wir halten den Beobachtungszeitraum für zu kurz, um schlüssige Aussagen treffen zu können. Zudem dürfte es kaum möglich sein, die Entwicklung des KMU-Kreditvolumens ausschließlich auf Grundlage des KMU-Korrekturfaktors erklären zu wollen. Für die Entwicklung des Kreditvergabevolumens sind mehrere Faktoren relevant; hierzu gehört neben der Zinsentwicklung z.B. auch die Entwicklung der Kreditnachfrage.
Wir sind jedoch der Ansicht, dass der KMU-Korrekturfaktor bankenseitig dafür sorgt, dass KMU als potentielle Kreditnehmer an Attraktivität gewonnen haben. Eine Abschaffung des Korrekturfaktors hätte dagegen negative Konsequenzen für die Kreditvergabebedingungen von KMU.
Insgesamt gesehen wird der Endkreditnehmerzins für KMU im Vergleich zu großen Unternehmenskunden in der Regel höher sein. Ausgehend von den Ergebnissen unserer jährlichen Unternehmensbefragung zur Finanzierungssituation können wir jedoch feststellen, dass für das Jahr 2013 noch 13,3 % der antwortenden Betriebe, die Finanzierungsschwierigkeiten hatten, gestiegene Zinsen hierfür verantwortlich machten, während sich diese Anteil für das Berichtsjahr 2014 auf 7,0 % reduzierte. Ob dies allerdings in Verbindung mit dem KMU-Korrekturfaktor gebracht werden kann oder vielmehr mit dem allgemein niedrigen Zinsniveau, ist nicht sicher nachzuvollziehen.
Nein, unserer Meinung nach bilden KMU im Hinblick auf den Kreditzugang keine konsistente und einheitliche Gruppe. Selbst im Bereich der Handwerksunternehmen konstatieren wir in Abhängigkeit der Unternehmensgröße deutliche Unterschiede bei den Finanzierungsmöglichkeiten. So berichten Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 100.000 Euro deutlich häufiger über Probleme beim Kreditzugang.
Gleichwohl sehen wir weder die Möglichkeit noch die Notwendigkeit, beim KMU-Korrekturfaktor weitere Differenzierungen in Abhängigkeit der Unternehmensgröße vorzu-nehmen. Ein derartiger Schritt würde die Komplexität des Regelwerkes noch weiter erhöhen.
Ute Pesch
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